
Symposium an der Neuen Schule für Fotografie Berlin
Samstag, 6. November 2010, 10-18 Uhr

Prof. Manfred Schmalriede begrüßt die Gäste

Vortrag von Christine Dorothea Hölzig

Nadin Maria Rüfenacht im Gespräch mit Prof. Manfred Schmalriede
Programm
10.00h Begrüßung durch Prof. Manfred Schmalriede
10.30h Christine Dorothea Hölzig (Dipl. Phil.):
Paradiesgärten - Natursymbole in der Kunstgeschichte
11.30h Nadin Maria Rüfenacht: Nature Morte
12.30h Diskussion
13.00h Mittagspause 60 Min.
14.00h Dr. Christiane Stahl: Mikrofotografie: Schönheit jenseits des Sichtbaren
15.00h Kaffeepause 30 Min.
15.30h Peter Hampel (M.A. Gestaltung/ Dipl. Soz.-Päd.FH): Die ausgelagerte Wildnis
16.30h Norbert Wiesneth: Phaetons Schwestern
17.30h Diskussion und Verabschiedung durch Prof. Manfred Schmalriede

Nadin Maria Rüfenacht, nature morte "zwei Hunde mit Faultier", 2006
Einführung
Unter dem Motto „Fotografie zwischen Theorie und Praxis“ organisiert die Neue Schule für Fotografie zum zweiten Mal ein Symposium, für das Fotografen und Kunstwissenschaftler, Theoretiker und Praktiker eingeladen werden, aus ihrer jeweiligen Sicht über ein bestimmtes Thema zu sprechen. In diesem Jahr geht es um die Reflexion des Natürlichen in der Fotografie. Es werden gegenwärtige Positionen vorgestellt, aber auch die Geschichte und Entwicklung des Verhältnisses von Natur und Fotografie analysiert.
Fotografischen Projekten wie „Paradise Now“ von Peter Bialobrzeski, „Sans Moi“ von Olaf Unverzart und Ausstellungen wie „Der Rote Bulli. Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie“ stoßen derzeit auf großes öffentliches Interesse. Nicht nur die Abbildung des Natürlichen wird dabei neu verhandelt, auch die Diskussion über die Wahrnehmung von Natur in der Gesellschaft erhält einen neuen Stellenwert. Beleuchtet werden vor allem die Aspekte „Natürlichkeit“ versus „Künstlichkeit“, und das von Menschenhand Geschaffene, „Technische“ im Vergleich zum ursprünglichen, natürlichen Wesen von Flora und Fauna. Auch die neuen Möglichkeiten, die sich mit der digitalen Technik bieten, werden voll ausgeschöpft. Zwischen Dokumentation und Neuschöpfung ist das Natürliche wahlweise Sehnsuchtsort, kulturelle Reibungsfläche und beunruhigendes Szenario des „Zurückgeworfen-Seins“ im Angesicht der Naturgewalten.
Die Naturlandschaft wirkt somit nicht nur als ästhetisches Abbild, das sich der Betrachter zur Beruhigung und Erheiterung des Gemüts vor Augen führt, sondern ist Spiegel des Umgang mit dem Natürlichen in unserer Zeit. Die Natur blickt zurück auf den Menschen und legt gesellschaftliche und psychologische Mechanismen bloss, die hinter dem kultivierten Habitus der Gesellschaft verborgen sind. Das Symposium wird drei dieser unterschiedliche Blickwechsel zwischen dem Natürlichen und dem Menschen durch die Kunst und die Fotografie ansprechen:Die Kunsthistorikerin Christine Dorothea Hölzig wird in ihrem Vortrag „Paradiesgärten - Natursymbole in der Kunstgeschichte“ die Symbolkraft von Paradiesvorstellungen erörtern und ihre kulturelle Verankerung auch in unserer Zeit hervorheben.
Die Übertragung dieser Symbolkraft in zeitgenössische Fotografien gelingt Nadin Maria Rüfenacht in ihren eindringlichen, fast physisch wirkenden »Nature Morte«-Motiven. Über das Tier als Kreatur und kulturelles Zeichen stellt sie die Ambivalenz zwischen Bewusstsein und Trieb, dem Vertrauten und dem Bedrohlichen, Leben und Tod dar.
Der Bereich der Mikrofotografie oszilliert zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen Beobachtung und Interpretation, zwischen hochwertiger Technik und Faszination. Damit spiegelt sie einen typischen Blick des Menschen auf die Natur wider, der stets prüfend (auf Nutzen und Gefahren), und gleichzeitig erstaunt und fasziniert ist von ihrer Schönheit. Dr. Christiane Stahl ist es gelungen, in den letzten beiden Jahren erstmalig eine Publikation zu verfassen, die die Geschichte der Mikrofotografie ausführlich dokumentiert und reflektiert.
Der Umweltpädagoge, Fotograf und Medienwissenschaftler Peter Hampel spricht über die unberührte Natur als kulturelle Reibungsfläche. In der Auseinandersetzung mit dem Nichtmenschlichen der Wildnis entzündete und entzündet sich das Menschliche der Kultur, von der ersten menschlichen Siedlung bis zur globalen Klimaerwärmung der Neuzeit. Dabei spielt die mediale Vermittlung des Phänomens Wildnis stets eine zentrale Rolle.
Die leer geräumten Felder der italienischen Po-Ebene mit ihren Pappelplantagen und Monokulturen bilden den Ausgangspunkt für Norbert Wiesneths fotografische Annäherung an das Thema Landschaft. Wiesneth reflektiert in seinen Bildern die kulturelle Einschreibungen durch die agraische Industrie und das Wechselspiel zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit.
Norbert Wiesneth, Galerie, Piezo-pigment Print, 100x140 cm
Die Redner
Christine Dorothea Hölzig (Dipl. Phil.), Studium der Kunstgeschichte in Leipzig, freischaffend als Kuratorin und Autorin tätig, zahlreiche Publikationen, Jurytätigkeit, seit 2003 Mitarbeit LVZ/Redaktion Kultur, 2006/2007 Leiterin des Projektes „made in Leipzig“ Kulturstiftung Leipzig, 2006 bis 2009 Redakteurin Kulturmagazin KUNSTSTOFF, seit 2008 Sachverständigenforum Kunst am Bau/Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Leipzig, seit 2010 Beirat Fördermittelvergabe Bildende Kunst der Stadt Leipzig.
Nadin Maria Rüfenacht hat an der HGB Leipzig Fotografie studiert und war Mesiterschülerin von Prof. Timm Rautert. Seit ihrem Abschluss 2008 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin, und hatte seither zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.
Dr. Christiane Stahl studierte Kunstgeschichte an der Ecole du Louvre in Paris und Kunstgeschichte und Theater- und Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Danach Mitarbeit beim Deutschen Historischen Museum Berlin, dem Deutschen Hygiene Museum Dresden, und der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn. Seit 2002 Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung in Köln. 2005 Promotion „Alfred Ehrhardt: Naturphilosoph mit der Kamera. Fotografien von 1933 bis 1947“. Seit 2006 Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh). Seit 2007 Mitglied der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA). 2007/08 Lehrauftrag für Fotografie am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln. 2010 Umzug der Alfred Ehrhardt Stiftung nach Berlin. Seit 2010 Mitglied im Beirat des Europäischen Monats der Fotografie Berlin.
Peter Hampel (M.A. Gestaltung/ Dipl. Soz.-Päd.FH) schloss sein Studium der Umweltpädagogik 1999 mit der Diplomarbeit "Apfelgärten im Seewind - Gestaltung einer sozial-ökologischen Wanderausstellung" ab. Danach studierte er Gestaltung, Fachrichtung Fotografie und Medien an der FH Bielefeld, und beendete 2008 seine Masterarbeit "Fluchtpunkt Wildnis - unberührte Natur als kulturelle Reibungsfläche". Seit 2009 hat Peter Hampel einen Lehrauftrag an der FH Bielefeld, Fachbereich Gestaltung.
Norbert Wiesneth studierte Kunst an der Accademia di Belle Arti Bologna bei Prof. Concetto Pozzati und Fotografie an der Facultad de Bellas Artes Madrid bei Cristina Garcia-Rodero, bevor er an der UDK Berlin bei Prof. Rebecca Horn seinen Abschluss machte. Nach einem Graduiertenstudium an der Accademia di Belle Arti Bologna wurde er 2009 zum Mitglied der Deutschen Fotografischen Akademie berufen. Norbert Wiesneth gewann zahlreiche Preise und Stipendien, und ist seit 2002 in vielen Ausstellungen und Sammlungen vertreten.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen des 4. Europäischen Monats der Fotografie Berlin.
Partner:
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Konzeption und Organisation: Barbara Schneider mit Unterstützung von Dr. Matthias Christen, Iris Müller, Manfred Schmalriede und Marc Volk.
