
Eva Bertrams Bilder sind Kleinstentrückungen in jenes Wirkliche, das die Alltagsvertrautheit der Wirklichkeit vor ihrer Wahrnehmung verborgen hält. Ihre hohe Kunst der kleinsten Verschiebung macht Eva Bertram zu einer Bildmagierin, die die Hölle der Idylle um die Ecke ebenso hervorzukehren versteht wie das Paradiesische der Kippe. Sie treibt ihre Kunst der Ambivalenzen in strenger Formalität und raffinierter Kompositionstechnik.
Inseln sind Ersatzparadiese ebenso wie Straflager, Idyllen wie Gefängnisse, letzte Zuflucht ebenso wie Ort der Verbannung, sanfte Gewährerinnen von Geborgenheit ebenso wie strenge Aufseherinnen der Weltausgeschlossenheit. Ihre Wirklichkeiten sind von Mehrdeutigkeit geprägt. Das macht sie zu einer Metapher für den aktuellen Zustand unserer visuellen Menschennatur.
Noch nie haben wir so viel gesehen, und noch nie blieb so viel im Meer der Sichtbarkeit ungesehen. Die Allgegenwart von Bildern täuscht darüber hinweg, dass Sichtbar-Sein keine Garantie für Gesehen-Werden ist (Andreas Steffens)
Eva Bertram präsentiert ihr Projekt »Inseln« in einer erweiterten Form in der Städtischen Galerie Sonneberg. Es erscheint ein gleichnamiges Buch.
6. Juli - 28. September 2008
Städtische Galerie Sonneberg
Juttastr. 29, 96515 Sonneberg
www.sonneberg.de/galerie
