Home Kontakt Impressum Login English Deutsch
Aktuelles

Einladung zum Symposium am Sonntag, den 23. Oktober 2011
23.10.2011
Zwischen Theorie und Praxis: Ver-Ortungen
Symposium an der Neuen Schule für Fotografie Berlin
Sonntag, 23. Oktober 2011, 10-18 Uhr

Am Sonntag, den 23. Oktober 2011 findet das diesjährige Symposium statt. Unter dem Motto „Zwischen Theorie und Praxis“ werden wir uns mit dem fotografischen Thema des Ortes auseinander setzen.

Vorgestellt werden Orte dieser Welt! Oder sind es eher Nicht-Orte, Orte, die erst durch ihre fotografische Interpretation entstehen? Der Versuch einer Bestandsaufnahme könnte Grundlage einer Diskussion unterschiedlicher fotografischer Annäherungen an die Wirklichkeit werden.


Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten unter communicationneue-schule-berlin.com



Hans-Christian Schink, Huaca del Pueblo, Chiclayo, 2005


Programm

10.00h      Begrüßung und Einführung durch Prof. Manfred Schmalriede

10.30h      Hans-Christian Schink
11.30h      Olaf Otto Becker: Above Zero

12.30h      Diskussion

12.45h      Mittagspause 45 Min.

13.30h      Dr. Susanne Holschbach: Fotografische Perspektiven auf Google Street View
14.00h      Oliver Boberg

15.00h      Kaffeepause 30 Min.

15.30h      Axel Beyer: Bebra Curiosa
16.30h      Henrik Spohler: Global Soul 

17.30h      Diskussion und Verabschiedung durch Prof. Manfred Schmalriede



Henrik Spohler, Nr. 3 Assembly line, aus dem Buch- und Ausstellungsprojekt „Global Soul“


Einführung

Die Topographie ist die Beschreibung eines Ortes.1975 startete in Rochester eine Ausstellung mit dem Titel ‚New Topographics‘: Photographs of a Man-Altered Landscape‘.

Die fotografischen Arbeiten erzeugten ‚Orte‘, die eigentlich keine waren. Orte so könnte man meinen, sind markante Punkte, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und im Bewusstsein der Menschen einen festen Platz haben und in der Regel positiv besetzt sind. Schaffen die Fotografen tatsächlich mit ihren Bildern Orte? Die Kadrierung einer weiten Landschaft bedeutet Ausschnitt und Ordnung, denn die rechten Winkel des Bildes provozieren den Versuch, eine mögliche Unordnung der Gegend ins rechte Verhältnis zu setzen, Bildelemente zu komponieren. Die Darstellung der Gegend im Bild könnte dann eine Verortung und eine Beschreibung dessen sein, was im Bildausschnitt sichtbar ist. Wird dadurch auch die fotografierte Gegend zu einem Ort? Bilder in einem Reiseführer helfen uns Orte, Gebäude oder einfach Sehenswürdigkeiten zu finden. Ein Bild stellt eine Kirche dar und dann stehe ich vor der Kirche, vergleiche Bild und Bauwerk, um mich dann ganz dem letzteren zu widmen. Meine Suche war erfolgreich. Würde ich mit einer zeitgenössischen Fotografie der eigentlich trostlosen Landschaft ähnlich verfahren, würde die bildnerische Organisation der Gegend fehlen und damit jede Attraktion. Die neue Ortsbeschreibung der vom Menschen veränderten Landschaft scheint tatsächlich ausschließlich ein bildimmanentes Phänomen zu sein. Das könnte auch durch die jeweilige ästhetische Erscheinung bestätigt werden. Denn das Ästhetische der Fotografien ist wesentlich ein Produkt unserer Beziehung zum Bild. Nicht ausgeschlossen, dass das Ästhetische nach intensivem Umgang mit den Bildern auch in der Beziehung zur Landschaft in Erscheinung tritt.



Olaf Otto Becker, River 1, 07-2007


Hans-Christian Schink
hat über lange Zeit die Relikte moderner Aufbau-Euphorie in der ehemaligen DDR fotografiert. Gerade in seinen Arbeiten wird sichtbar, wie die verunstaltete Umgebung dennoch großzügig Formen für strenge Kompositionen liefert. Ist die Topografie nur eine Verortung in Bildern?


Otto Olaf Becker hat den Dreck der Zivilisation dort fotografiert, wo wir ihn am wenigstens vermuten: im ewigen Eis. Umweltverschmutzung als ästhetisches Ereignis?


Axel Beyer
baute in seinem Projekt „Bebra Curiosa“ Bilder einer mitteldeutschen Kleinstadt zu einem Miniatur-Wunderland zusammen. Die bizarre Atmosphäre dieser Bild-Illusionen entspricht dem eigenartigen Klima des realen Ortes Bebra.


Henrik Spohler hat moderne Industrieanlagen mit fotografisch präzisen Darstellungen interpretiert. Eine Steigerung neusachlicher Fotografie, die Sterilität und Sauberkeit visuell erfahrbar macht.


Unterschiedliche Annäherungen an die Erfindung von Orten stehen zur Diskussion. Die Antworten könnten von der Bedeutung des Ästhetischen abhängen. Wiederum vorausgesetzt, das Ästhetische spielt in der vom Menschen veränderten Welt eine Rolle.

 


Axel Beyer, Bebra Curiosa, 2010


Die Redner
 
Otto Olaf Becker
studierte Design an der FH in Augsburg und Philosophie an der LMU in München.  Olaf Otto Becker beschäftigt sich mit den Spuren, die die wachsende Überbevölkerung der Menschheit in der Landschaft hinterlässt. In Grönland unternahm er zahlreiche Expeditionen, um die Folgen der Klimaerwärmung im nicht mehr so ewigen Eis mit seiner Großformatkamera zu dokumentieren. Mit seinem neuen Projekt „Under the Nordic Light: A Journey through Time“ beschäftigt er sich mit der Wahrnehmung von Spuren der Zeit in der Landschaft.


Axel Beyer studierte Kommunikationsdesign an der FH Hamburg und ist seit 1987 ist er im Zeitschriften-Design in Hamburg tätig. Seine intensive Auseinandersetzung mit der Fotografie führte zu zahlreichen Fotoprojekten und Ausstellungen. 2010 gewann er beim Dummy-Award des Fotobookfestivals in Kassel für sein Projekt „BEBRA CURIOSA“ den 3. Preis.

 

Oliver Boberg, geboren 1965, studierte nach dem Abitur zunächst zwei Semester Kunstgeschichte an der Julius-Maximilian-Universität in Würzburg und wechselte dann an die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, wo er sich bei Hans-Peter Reuter einschrieb. 1997 begann er mit der Serie „Orte“, die er bis heute fortsetzt. Dazwischen und daneben entstehen Arbeiten in anderen offenen Serien. Sein Interesse gilt architektonischen Phänomenen; auch im weiteren Sinne. Bobergs Arbeiten sind in internationalen Ausstellungen zu sehen und befinden sich in namhaften Sammlungen und Museen. Er lebt und arbeitet in Fürth.


Dr. Susanne Holschbach, Kunst- und Medienwissenschaftlerin, Berlin. Vertretungs- bzw. Gastprofessuren an der Fachhochschule Potsdam (2011), der Universität Wien (2010/11), der Kunsthochschule für Medien in Köln (2007) und an Kunsthochschule Berlin-Weißensee (2006/07). Arbeitsschwerpunkte: Mediengeschichte und -theorie der Fotografie, zeitgenössische Kunst und Medialität, Gender und visuelle Kultur. Buchveröffentlichungen: Vom Ausdruck zur Pose. Theatralität und Weiblichkeit in der Fotografie des 19. Jahrhunderts,  Berlin: Reimer Verlag 2006; Erblätterte Identitäten: Kunst - Mode - Zeitschrift, herausgegeben zusammen mit Antje Krause-Wahl und Katharina Ahr, Marburg: Jonas Verlag 2006.

 

Hans-Christian Schink wurde 1961 in Erfurt geboren. Von 1986 bis1993 studierte er Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Seine Arbeiten wurden seit 1991 in zahlreichen Einzelausstellungen in Galerien und Museen gezeigt, u.a. im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg (2011), im Neuen Museum Weimar (2011), im Kunstmuseum Dieselkraftwerk in Cottbus (2011), in der Landesgalerie Linz (2010) und im Museo de Arte Contemporáneo in Salta, Argentinien (2008). Darüber hinaus hat Hans-Christian Schink an verschiedenen Gruppenausstellungen teilgenommen, in den letzten Jahren u.a. „Metropolis – City Life in the Urban Age“ beim Noorderlicht Photofestival in Groningen (2011), „Leipzig.Fotografie / 1839-2011“ in Leipzig (2011) oder „Veto. Zeitgenössische Positionen in der deutschen Fotografie“ in den Deichtorhallen in Hamburg (2009). Hans-Christian Schink erhielt mehrere Preise und Stipendien, etwa das Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen (2010), ein Stipendium des Projekts „European Eyes on Japan / Japan Today“ (2009), den ING REAL Photography Award (2008), den Deutschen Fotobuchpreis (2004) sowie ein Stipendium der Villa Aurora (2002).


Henrik Spohler, Jahrgang 1965 studierte an der Folkwangschule / Universität Essen. Seit 1992 arbeitet er als freischaffender Fotograf und realisiert eigene Projekte. Spohlers vielfach ausgezeichnete Arbeiten sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Seit 2009  unterrichtet er als Professor Fotografie an der HTW Berlin. Seine Fotos werden von der Galerie Morat vertreten. Henrik Spohler lebt in Hamburg.


 

Oliver Boberg, Gartenecke, 2011

 

Das Symposium findet statt mit freundlicher Unterstützung des Hotel Bogota.

 

Konzeption: Prof. Manfred Schmalriede
Organisation: Barbara Schneider mit Unterstützung von Iris Müller
Layout: Barbara Schneider